Prof. Dr. Sebastian Heselhaus kann im Rahmen des NFP 73 "Nachhaltige Wirtschaft: ressourcenschonend, zukunftsfähig, innovativ" Forschung durchführen. Sein Projekt widmet sich den rechtlichen Aspekten bei der Bekämpfung von Lebensmittelverschwendung und der Förderung von Reparatur und Weiterverwendung von Produkten.

Prof. Dr. Sebastian Heselhaus (li.) mit den beiden im Rahmen des NFP-Projekts Doktorierenden Iva Stamenkovic und Philippe Stawiski vor dem Gebäude der Universität Luzern.

In den letzten Jahren hat sich die Nachfrage nach Gütern und Lebensmitteln weltweit verschärft – ein Ende dieser Entwicklung ist noch nicht abzusehen. Gleichzeitig ist die Nutzungszeit vieler Güter gesunken und ein hoher Anteil an Lebensmitteln wird weggeworfen. Diese Situation stellt verschärft Fragen nach Möglichkeiten, den Konsum von Gütern und Lebensmitteln nachhaltiger zu gestalten. Gefragt sind Verhaltensänderungen nicht nur bei der betroffenen Industrie, sondern auch bei den Konsumentinnen und Konsumenten.

Anregung und Beeinflussung

Das Forschungsprojekt befasst sich mit der Frage, mit welchen rechtlichen Instrumenten man Industrie und die Konsumenten anregen und beeinflussen kann, die Langlebigkeit von Produkten zu fördern und Lebensmittel so wenig wie möglich wegzuwerfen. Erstens sollen in der Lebensmittelbranche rechtliche Hindernisse und Anreize für eine Verringerung von sogenanntem Food Waste analysiert werden. Dabei werden sowohl freiwillige Massnahmen als auch regulatorische Ansätze in den Blick genommen. Ausdrücklich ist die Bekämpfung von Food Waste als Ziel Nr. 12.3 der Sustainable Development Goals (SDG) der UNO anerkannt worden. Das Projekt unterstützt die Schweiz in ihrem Commitment zur Erreichung der SDG. Zweitens geht es um die Einführung rechtlicher Anreize für Hersteller, langlebige Güter zu produzieren und für Konsumentinnen, diese möglichst lange in Gebrauch zu haben. Zu diesem Zweck werden umfangreiche rechtsvergleichende Untersuchungen durchgeführt und auf ihre Umsetzbarkeit in der Schweiz hin überprüft. Drittens soll in einer Synthese ein Rechtsrahmen für eine ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft aufgezeigt werden.

Zahlreiche Projekteingaben

Das unter der Leitung von Prof. Heselhaus stehende Projekt ist Teil des Nationalen Forschungsprogramms 73. Im Rahmen von NFP werden Forschungsprojekte durchgeführt, die einen Beitrag zur Lösung wichtiger Gegenwartsprobleme leisten; sie werden vom Bundesrat beschlossen und dem Schweizerischen Nationalfonds (SNF) zur Bearbeitung übertragen. Das NFP 73 ist seit 2016 am Laufen, mit total 20 Mio. Franken dotiert und hat zum Ziel, Grundlagen für eine nachhaltige Wirtschaft zu erarbeiten. Bei der neuen Luzerner Studie handelt es sich um eines von vier im Rahmen einer Zweitausschreibung bewilligten Projekten; dies aus einer Auswahl von 58 eingereichten Projekten (Newsmeldung des NFP). Aktuell forschen zwei Wissenschaftlerinnen der Universität Luzern im Rahmen eines Nationalen Forschungsprogramms: dem NFP 75 "Big Data" (Newsmeldung vom 21. November 2016). Davor gab es Projekte im Rahmen des NFP 71 "Steuerung des Energieverbrauchs", des NFP 67 "Lebensende", des NFP 60 "Gleichstellung der Geschlechter" und des NFP 58 "Religionsgemeinschaften, Staat und Gesellschaft". Mit "Food Waste" beschäftigen sich zurzeit auch andere Forschende an der Universität Luzern; auch fliesst das Thema in die Lehre ein: So ist im aktuellen Semester ein soziologisches Forschungsseminar am Laufen (Newsmeldung vom 3. April 2019).

  • Originaltitel des Projekts und Übertragung ins Deutsche: "Combating Food Waste and Promoting Repair. Changing Patterns of Sale and Consumption as Cornerstones of an Evolving Legal Framework for a Resource Efficient Circular Economy" (Bekämpfung der Lebensmittelverschwendung und Förderung von Reparaturen als Elemente einer rechtlichen Ressourceneffizienzstrategie)
  • Leitung: Prof. Dr. Sebastian Heselhaus, Ordinarius für Europarecht, Völkerrecht, Öffentliches Recht und Rechtsvergleichung
  • Mitarbeitende: Iva Stamenkovic (Doktorandin) und Philippe Stawiski (Doktorand)
  • Projektdauer: 3 Jahre
  • bewilligte Fördersumme: CHF 349'000 (gerundet)
     
5. Juli 2019