Der israelische Historiker und Journalist Tom Segev ist in diesem Herbstsemester zu Gast am Institut für Jüdisch-Christliche Forschung (IJCF). Der erste Vortrag seiner Lehrveranstaltung über den Staatsgründer David Ben Gurion und die Geschichte Israels ist öffentlich.

Dr. Tom Segev. (Bild: © Dan Porges; Ausschnitt)

Der Staat Israel ist eine der grössten Erfolgsgeschichten des 20. Jahrhunderts. Diesen Schluss zieht Tom Segev in seiner 2018 erschienenen Biografie David Ben Gurions. Allerdings steht Israel heute noch immer vor denselben Problemen, die bereits den Staatsgründer beschäftigten. Das sind vor allem die Suche nach Frieden und nach einer gemeinsamen jüdisch-israelischen Identität. Dieses Thema nimmt Segev in seiner auf Deutsch gehaltenen Vorlesung auf. 

Der erste Vortrag der Lehrveranstaltung vom Montag, 16. September, ist öffentlich (18.15 Uhr, HS 5). Die weiteren Teile der Vorlesung sind offen für Studierende sowie Hörerinnen und Hörer. Dazu ist eine reguläre Anmeldung erforderlich. 

Bedeutender Historiker und Journalist

Tom Segev ist ein international renommierter israelischer Historiker und Journalist. Er studierte Geschichte und Politikwissenschaften an der Hebräischen Universität Jerusalem und promovierte 1977 mit seiner Dissertation "Die Soldaten des Bösen. Zur Geschichte der KZ-Kommandanten" an der Boston University. In den 1970er Jahren war Segev in Bonn als Deutschlandkorrespondent für die israelische Tageszeitung "Maariw" tätig. Als Kolumnist schreibt er für die israelische Zeitung "Haaretz". Seine Bücher, allesamt Bestseller und Klassiker, lösten Kontroversen in Israel, Europa und den USA aus und führten zu einer Neubewertung der Geschichte des Zionismus, des Landes Israel und der Palästinafrage. 2000 erhielt Tom Segev den National Jewish Book Award für sein Buch "Es war einmal ein Palästina" und 2015 den Friedenspreis der Geschwister Korn und Gerstenmann-Stiftung für sein literarisches, publizistisches und kulturelles Lebenswerk.

Gastprofessuren am IJCF

Seit 1974 bietet das IJCF jedes Jahr eine Veranstaltung von einer Gastprofessorin oder einem Gastprofessor aus Israel, Amerika oder Europa im Bereich der Judaistik an. Durch diese Gastprofessuren soll ein internationaler und interreligiöser Wissensaustausch kontinuierlich gefördert und die Durchführung gemeinsamer Forschungsprojekte ermöglicht werden. Seit dem Wintersemester 2003/2004 werden die Lehrveranstaltungen durch die Daniel Gablinger-Stiftung in Zürich finanziert. Vor einem Jahr durfte am IJCF Daniel Hoffmann, Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, begrüsst werden. 2017 waren Aleida und Jan Assmann zu Gast. 

6. August 2019