Liebe Simone, lieber Jonas, liebe Menschen, deren Namen ich nicht weiss. Bereits nach kurzer Zeit im Home-Studium wurde mir klar: Ihr seid eine grosse Bereicherung für meinen Unialltag.

(Bild: istock.com/frimages)

In Zeiten der Coronakrise hinterfrage ich nicht nur das Studieren an sich, sondern auch die heutige Gesellschaft und erst recht mein Studium in Gesellschaftswissenschaften. Gerade am Anfang des Lockdowns fiel es mir schwer, mich zuhause auf die Uni zu konzentrieren: zu viel Ablenkung, zu wenig Motivation und vor allem zu wenig nette Gesellschaft.

Sticheleien und motivierende Worte

Normalerweise verbringe ich viel Zeit in der «gschaffigen» Atmosphäre der Bibliothek. Doch nun fehlt mir der Leistungsdruck, wenn ich nicht von Studierenden umgeben bin, die in ihren Lernstoff vertieft sind. Ich vermisse die spontanen Treffen zwischen den Bücherregalen – sogar mit Kolleginnen und Kollegen, die sich über mein Studium lustig machen, aber mich immerhin zum Lachen bringen. Genauso fehlen mir meine Mannschaftskolleginnen vom Uni-Sport, deren Namen ich nicht kenne, aber die ich in der Dusche alle schon nackt gesehen habe. Gemeinsam zu schwitzen und zu sehen, dass auch andere die Zähne zusammenbeissen müssen, macht mir eindeutig mehr Spass. Und wo bleibt meine Trainerin, die mich dazu motiviert, bei der Kraftübung durchzuhalten?

Meine Lieblingskommilitonin Simone und ich pflegen die geniale Tradition, uns gelegentlich mit Desserts zu überraschen. Doch nicht nur deswegen versüsst sie mir den Alltag. Ich schätze, dass ich seit Studienbeginn in ihr meinen persönlichen Kummerkasten gefunden habe. Simone hat immer einen wertvollen Tipp auf Lager – egal, ob es um Fragen zur Vorlesung oder um wichtigere Lebensfragen geht. Genauso vermisse ich meine restlichen Kommilitonen. In unserer kleinen Bubble fühle ich mich verstanden, wenn wir beim Feierabendbier gemeinsam diskutieren, kritisieren und philosophieren. Das gibt mir Energie fürs Studium. Ich wünschte mich sogar auf eine Studentenparty, obwohl ich die eigentlich gar nicht besuche. Aber feuchtfröhliche Unterhaltungen wären mir gerade eine willkommene Abwechslung.

Mir fehlen die unerwarteten Begegnungen und ausgiebigen Kaffeepausen an der Uni.

Umarmungen und der übliche Smalltalk

Doch es sind nicht nur meine Kolleginnen, an denen es mir momentan mangelt. Schon eine gefühlte Ewigkeit habe ich niemanden mehr angetroffen, der mich mit einem freudigen «Scho lang nüme gse! Was machsch denn du do?!» und einer festen Umarmung begrüsst hat. Ich vermisse diese unerwarteten Begegnungen und ausgiebigen Kaffeepausen an der Uni. Mir fehlen sogar die (meistens plumpen) Witze des Mensakochs und dass er mir wie immer leicht ironisch einen «zauberhaften Tag» wünscht.

Mein Corona-Fazit ist klar: Die Struktur und die Abwechslung, die ein Unialltag mit sich bringt, sind ein grosses Bedürfnis von mir. Ich weiss, zu Krisenzeiten ist dies Motzen auf höchstem Niveau. Und natürlich hat das Studieren von zuhause aus auch seine positiven Aspekte. Deshalb meine Abschlussworte an dich, liebe Leserin, lieber Leser: «Einen zauberhaften Tag wünsch ich dir! Und hoffentlich bis bald an der Uni …»

Erstpublikation am 27. April

Daniela Dürr

Daniela Dürr

Masterstudentin der Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften

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