Prof. Dr. Birgit Jeggle-Merz

Im Rahmen der wissenschaftstheoretischen Selbstverständigung der Liturgiewissenschaft ist es seit dem vergangenen Jahrhundert üblich geworden, zwischen der historischen, der systematischen und der praktischen Liturgiewissenschaft zu unterscheiden. Die historische (resp. vergleichende) Liturgiewissenschaft erforscht die Entstehung und Entwicklung gottesdienstlicher Traditionen einzelner Liturgiefamilien. Die systematische Liturgiewissenschaft beschäftigt sich mit dem christlichen Glauben, der im gottesdienstlichen Leben der Kirche Wirklichkeit wird. Die praktische (resp. kritische) Liturgiewissenschaft misst im Sinne einer liturgischen Ästhetik den je aktuellen Vollzug an der lex orandi. In der wissenschaftstheoretischen Diskussion ist der praktisch-theologische Zweig der Liturgiewissenschaft in Verruf geraten, wird doch immer wieder unterstellt, praktische Liturgiewissenschaft beschäftige sich vorrangig mit der Begleitung und Formung der liturgischen Praxis durch Anleitungen und Gestaltungshinweise. Dies allerdings gehört laut Selbstverständnis des Faches nicht zu den Aufgaben der Liturgiewissenschaft.

Da Liturgiewissenschaft auf eine Ästhetik des liturgischen Geschehens verwiesen ist, kann in Anknüpfung an die Tradition der „monastischen Theologie“ Liturgiewissenschaft als theologia experimentalis konzipiert werden. 

Vorliegende Veröffentlichungen zum Thema

  • Birgit Jeggle-Merz, Der Glaube sub specie celebrandi in der Praxis der Kirche. Liturgiewissenschaft als «Praktische Theologie», in: ThGl 107 (2017) 276-288.
  • Birgit Jeggle-Merz, Mysteriis edoctus. Vom Erleben zum Erkennen. Liturgiewissenschaft als eine Theologie der Erfahrung, in: ALw 50 (2008) 188-206.
  • Birgit Jeggle-Merz, Im Feiern erst erschließt sich die Liturgie – Die liturgische Praxis als Forschungsfeld der Liturgiewissenschaft, in: Liturgische Theologie. Aufgaben systematischer Liturgiewissenschaft. Hg. v. Helmut Hoping u. Birgit Jeggle-Merz. Paderborn 2004, 113-14.